Seit einigen Tagen existiert bei Facebook eine neuerliche Diskussion um das Spitzeninnovationszentrum, welches laut Konzept am Oberen Graben gebaut werden soll. Die Familie Weißbach hat nun angeboten, die einstige Kattunmanufaktur “Weißbachsches Haus” – ein Stück deutscher Textilgeschichte – der Stadt zu überlassen, um darin besagtes Zentrum stattdessen anzusiedeln, sozusagen am Geburtsort der vogtländischen Textilindustrie. Dies hat eine kleine Handvoll Plauener Hoteliers dazu bewogen, in einem offenen Brief an den Stadtrat wiederum pro Oberer Graben zu plädieren, weil dieser mitten im Plauener Stadtzentrum liegen würde, wohingegen das Weißbachsche Haus quasi außerhalb der Innenstadt liegen würde. Im von der Stadt beauftragten Konzept (für welches bereits ordentlich Geld ausgegeben wurde) wird von einem geschätzten Besucheraufkommen von 60.000 Besuchern pro Jahr ausgegangen – zum Vergleich: im Naherholungsgebiet Talsperre Pöhl fahren in besucherstarken Jahren (in dem die Straßen nicht gesperrt sind) ca. 40.000 Gäste mit den Ausfluggastschiffen. Nachfolgend findet man meine Kommentare aus der Facebookdiskussion, zwar ohne direktem Zusammenhang mit den anderen Kommentaren, jedoch mit ausreichend Inhalt:
60000 Besucher / 300 Tage geöffnet pro Jahr / 8 Stunden geöffnet am Tag = 25 Personen pro Stunde pro Tag! Wirklich sehr “realistisch”! Andere Kultureinrichtungen haben soviele Besucher in der ganzen Woche, was wiederum umgerechnet 1250 Besucher im Jahr bedeuten würde. Das ist eine realistische Schätzung! Abgesehen davon liegt der Obere Graben (mitten im Stadtzentrum gelegen) und das Weisbachsche Haus (am Stadtrand gelegen) gerade mal 250m bzw. 3 Gehminuten auseinander.
Na hoffentlich laufen die Besucher auch die extrem weiten 180m zur nächsten Haltestelle, das ist nämlich dann fast so weit wie bis zum Stadtrand beim Weisbachschen Haus.
Außerdem würde eine direkte Fußgängerbrücke unterhalb der Malzhauses in die obere Etage des Weisbachschen Hauses bedeuten, dass man keine tiefe Schlucht zum Mühlgraben mehr mit teuren Bergsteigern hinunter klettern müsste…
… Eisenhüttenstadt oder Halle Neustadt haben mehr Flair, als Plauen derzeit, da wird auch eine neue Rathausfassade, ein umgebautes Landratsamt und ein innovatives Spitzenzentrum auf dem Postplatz ääähh am Oberen Graben nix dran ändern. Deshalb kommen genau 0 Touristen mehr nach Plauen. Was Touristen anzieht, ist die Talsperre Pöhl, die immer wieder für den Verkehr zwangsgesperrt wird, die Talsperre Pirk und das umliegende Vogtland. Allerdings sind die Touristenkonzepte hier so dürftig bis nicht vorhanden, dass es einem weh tut. SO bekommen wir niemand hier ins Vogtland bzw. nach Plauen. Was fehlt, sind regelmäßige Großveranstaltungen und Ereignisse mit überregionalem Charakter und damit meine ich nicht die fünf Sternquell-Brauereifest-Saufgelage in der City das ganze Jahr über, sondern echte Highlights, wo es sich lohnt, herzukommen. Sowas gibts hier nicht und mit dem üblichen Veranstalterklüngel in der Region wird es sowas leider auch nie geben. Ohne besagte Touristen macht weder ein Neubau noch ein sanierter Altbau wirklich Sinn und ist letztlich egal in welcher Form schlicht zu teuer und damit ist auch das bereits investierte Geld in den Oberen Graben leider ein zu hoher Verlust auf Kosten der Plauener. Das Problem ist hier aber ein völlig anderes, nämlich das, damit in Plauen und im Vogtland immer nur die Leute von offizieller Stelle um Meinungen befragt werden, wo man sich sicher ist, dass die keine kritische Stimme äußern und alles schick und toll finden. So findet keine wirkliche Meinungsbildung statt, sondern lediglich eine einseitige Bestätigung. Kritische Stimmen werden abgewiegelt und ignoriert, anstatt mit einbezogen. Außerdem wird natürlich – wie immer – erst eine öffentliche Diskussion begonnen, wenn eigentlich schon unwiderrufliche Tatsachen geschaffen wurden, das Kind sozusagen schon in den Brunnen gefallen ist. Die Stadt Plauen und auch der Vogtlandkreis nutzt weder Mittel wie Umfragen oder Bürgerinterviews um sich ein Meinungsbild zu verschaffen und die angeblichen “Volksvertreter”, welche durch die Bürger mal gewählt wurden, um deren Interessen zu vertreten, sehen nur Ihre eigenen Interessen bzw. die Ihrer Parteifreunde und das ist nicht wirklich demokratisch. Plauen sollte froh sein, dass es Menschen wie die Familie Weisbach gibt, die was für Plauen tun wollen und dabei sogar auf den eigenen Familienbesitz verzichten wollen. Jeder, der schon mal das Weisbachsche Haus und den angrenzenden Park näher besichtigt hat, weiß, welches Kleinod sich dahinter verbirgt, geradezu prädestiniert für ein Spitzenmuseum mit integriertem Veranstaltungs-zentrum mitten im Plauener Zentrum. Die Bausubstanz bietet viele Möglichkeiten die Textilgeschichte mit der Moderne zu verbinden, die man unbedingt nutzen MUSS!!! Auf dem kurzen Weg vom Postplatz durch die Altstadt gelangt man vorbei an Sehenswürdigkeiten wie Altes Rathaus, Malzhaus, man kann in den Läden am Altmarkt, der Rathausstraße, der Herrenstraße, der Straßberger Straße usw. shoppen, man kann einkehren in zig Restaurants, also was soll denn noch alles passieren?! Das Spitzeninnovationszentrum ist NICHT das Allheilmittel für die ganzen Organisations- und Strukturprobleme, die wir hier in Plauen haben, die können nur gelöst werden, indem man den Verwaltungsapparat der Stadt komplett gegen neue Leute austauscht, was aber sicher nie passieren wird. Leute, setzt mal die rosa Brille ab und benutzt einfach mal den gesunden Menschenverstand!!!
Warum hat eigentlich noch nicht mal die Hälfte der Plauener Hoteliers diese Willensbekundung unterschrieben? Haben die anderen keine Meinung? Oder sind die gar anderer Meinung?! Find ich bisschen eigenartig, ebenso wie die Tatsache, dass das Anliegen von Einzelnen (Familie Weisbach) als negativ abgestempelt wird und das ausschließlich kommerziell orientierte Anliegen einiger weniger auserwählter Übernachtungsdienstleister hingegen positiv sein soll. Die angestrebte Zentralisierung birgt nur jede Menge Nachteile für alle Geschäftsinhaber, welche abseits vom Zentrum Ihre Geschäfte betreiben. In anderen Städten wird das mit viel mehr Weitblick umgesetzt, in dem man gezielt solche touristische HotSpots dezentral über die gesamte Fläche der Kommune verteilt, um alle was vom Kuchen abhaben zu lassen und nicht nur einige wenige. Sowas nennt sich Standortentwicklung.















